Hervorgehobener Beitrag

Zusammen-Leben-Festival: Ein buntes Programm zum gemeinschaftlichen Wohnen, Bauen und Wirtschaften

Der wohnbund gehört – zusammen mit bewährten Partnerorganisationen – zu den Veranstalter:innen des Zusammen-Leben-Festival, das am 19. und 20. Juni 2026 in Stuttgart stattfinden wird. Das Festival wird mit einem vielfältigen Programm die Thematik des gemeinschaftlichen Bauens, Wohnens und Wirtschaftens diskutieren und feiern. Verschiedene überregionale Akteur:innen bringen hier ihre Mitglieder, Netzwerke und Expertise zusammen.

Der wohnbund wird sich mit zwei Veranstaltungsformaten unter dem Titel „Eine Stimme für das Gemeinwohl“ dem Thema der politischen Interessenvertretung für gute Rahmenbedingungen Wohnprojekte widmen, mit dem wir uns hoffentlich auch danach (wieder) mit mehr Kontinuität befassen werden.

Die Resonanz auf die Vergabe der kostenlosen Tickets hat uns als Veranstalter:innen überwältigt. Die 300 Plätze für den Fachtag (Freitag) waren vergeben noch bevor wir unsere gesamte Mitgliedschaft ordentlich über den Vergabestart informieren konnten. Aktuelle Informationen zu Wartelisten und solidarischer Ticket-Weitergabe bei Verhinderung gibt es auf der Website des Festivals. Eine mögliche digitale Übertragung des Fachtages ist in Prüfung.

Besuch im Ministerium, Wohnungsbaukrise(n) ohne Ende, Gesetzgebung – kleine wohnungspolitische Momentaufnahme

Die Wohnungskrise ist weiterhin in aller Munde – so sehr, dass man sich womöglich beinahe gewöhnt hat an den Mangel an bezahlbaren Wohnungen, die zu hohen Baukosten, die scheinbar stetig steigenden Mieten?

Vor der Bundestagswahl 2025 hatte der wohnbund gemeinsam mit verbündeten Organisationen ein Positionspapier zur Boden- und Wohnungspolitik veröffentlicht. Nach der Konstituierung der schwarz-roten Koalitionsregierung nahmen wir mit dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) Kontakt auf und konnten im Januar 2026 unsere Vorstellungen im Gespräch mit Staatssekretär Olaf Joachim erörtern. Hierbei wurde uns in Aussicht gestellt, dass wir bei der geplanten Evaluation der KfW-Genossenschaftsförderung (KfW-Programm 134) einbezogen würden.

Die amtierende Bundesregierung konzentriert ihr wohnungspolitisches Handeln bisher stark auf die (vermeintliche) Beschleunigung des Neubaus, wozu die im Herbst 2025 erfolgte Verabschiedung der als „Bauturbo“ betitelten befristeten Sonderregelung im Baugesetzbuch (§ 246e) zählt. Dessen Ansatz – potentiell jeglichen Wohnungsneubau durch Aussetzen der üblichen Verfahren der Bauleitplanung zu ermöglichen – wird von zahlreichen Umwelt- und Planungsfachverbänden kritisch gesehen (vgl. etwa die Stellungnahmen zum Gesetzgebungsvorhaben). Auch die geplante umfassendere Novelle des Baugesetzbuches, die mittlerweile als Referentenentwurf vorliegt, enthält in erster Linie Vorschläge, die als Beschleunigung und Vereinfachung des Bauleitplanverfahrens angepriesen werden.

Es erscheint jedoch fraglich, ob die Entschlackung von Genehmigungsverfahren – auch wenn diese in manchen Fällen tatsächlich zu langwierig sein mögen – den Mangel an bezahlbarem Wohnungsneubau maßgeblich beheben kann. Denn es gibt bekanntlich bereits einen erheblichen Überhang an Baugenehmigungen, die nicht umgesetzt werden, oftmals weil die geplanten Vorhaben durch die in den letzten Jahren massiv gestiegenen Baukosten und Zinsen unwirtschaftlich geworden sind – ein Problem, das auch bei neuen Projekte keine noch so schnelle Genehmigung aus der Welt schaffen wird.

Dies war auch ein zentrales Thema auf dem „Wohnungsbautag“ im März. In einer aufschlussreichen Präsentation der beigezogenen Fachleute wird u.a. aufgezeigt, wie durch die Inflation der Baupreise und deren „Hebelung“ durch die ebenfalls stark gestiegenen Zinssätze der resultierende Kapitaldienst als maßgeblicher Bestandteil der Kaltmiete von neu gebautem Wohnraum zwischen 2020 und 2025 sich auf in großstädtischen Lagen über 18 Euro nahezu verdoppelt hat. (Auch der Anstieg der Grundstückspreise spielt natürlich eine Rolle, doch in diesem Zeitabschnitt fiel dieser – anders als in den 2010er-Jahren – tatsächlich deutlich weniger stark aus als die Steigerung der Baukosten.) Diese „immobilienwirtschaftliche Grundrechnung“ gilt unter den Bedingungen des herrschenden Systems der Baufinanzierung im Normalfall auch für genossenschaftliche und andere gemeinwohlorientierte Anbieter.

Eine so große Lücke zwischen Neubau-Kostenmieten und dem, was für die meisten Haushalte bezahlbar wäre, stellt auch die gängigen Ansätze der Wohnraumförderung in Frage – sollte bei diesem Aufwand wirklich die nächste Runde des „Herunterförderns“ mit Sozialbindungen einsetzen, die nach wenigen Jahrzehnten wieder „auslaufen“? Zumal die genannten Zahlen auch noch nicht die aufgrund der jüngsten weltpolitischen Verwerfungen zu erwartenden weiteren Kostensteigerungen widerspiegeln. Es ist damit zu rechnen, dass der Zuwachs an neu gebauten Wohnungen in den nächsten Jahren eher weiter abnehmen wird, da die Mieter:innen- und Käufer:innen-Zielgruppe schlicht zu klein ist, für die solche Preise leistbar sind. Obwohl die somit nicht entstehenden Neubauten also für die meisten Wohnungssuchenden ohnehin zu teuer gewesen wären, dürfte dieser quantitative Rückgang die Wohnungsknappheit in nachgefragten städtischen Lagen insgesamt weiter verschärfen.

Gerade angesichts dieser enorm herausfordernden Lage beim Neubau sollte klar sein, dass die Lösung der Wohnungsversorgungskrise nicht nur dort zu suchen ist, sondern auch im Bestand – durch den Erhalt bestehender günstiger Mietwohnungsbestände und in einer Kultur des Umbauens und Umnutzens, die auch klimapolitisch geboten ist. Darauf hat anlässlich des „Wohnungsbautages“ die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) hingewiesen. Insofern ist es zu begrüßen, dass durch die Novelle des Baugesetzbuches zumindest auch die kommunalen Vorkaufsrechte gestärkt bzw. in Erhaltungssatzungsgebieten nach ihrer De-facto-Aushebelung durch ein 2021 ergangenes Bundesverwaltungsgerichtsurteil endlich wiederhergestellt werden sollen. Es erscheinen jedoch nicht alle damit verbundenen Änderungsvorschläge vorbehaltlos unterstützenswert. Der wohnbund will sich – in Abstimmung mit Partnerorganisationen – mit der Novelle im weiteren Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens kritisch befassen.

„Die Zukunft des Sozialen Wohnens“ – vom wohnbund unterstützte Tagung in Trier

Die WOGEBE Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg eG aus Trier ist ein langjähriges wohnbund-Mitglied. Sie besitzt rund 500 Wohnungen, die sie seit 1991 in einem ehemaligen „Sozialen-Brennpunkt“-Gebiet erworben und modernisiert hat. Die Gründung der Genossenschaft erfolgte aus der örtlichen Gemeinwesenarbeit und stieß eine „integrative Sanierung“ an, die über bauliche Selbsthilfe auch auf eine Integration von Bewohner:innen in Beschäftigung abzielte. Aus den Erfahrungen dieses „Leuchtturmprojektes“ ergab sich die Idee, in Zusammenarbeit mit der Universität Trier eine Fachtagung zur „Zukunft des Sozialen Wohnens“ zu veranstalten. Der wohnbund konnte diese mit einem kleinen finanziellen Beitrag unterstützen. Am 24. April fanden Plenarvorträge und Expert:innenforen statt, die sich mit einer breiten Themenpalette befassten, darunter der Rolle von „Ankunftsquartieren“ und den Folgen der Finanzialisierung des Wohnungssektors. Die Tagung stieß auf breites Interesse, von rund 80 Teilnehmer:innen kam die Hälfte aus der Region, die andere aus der gesamten Bundesrepublik.

Veranstaltungen im Frühjahr und Sommer

Neben dem Zusammen-Leben-Festival finden im Mai und im Juni weitere Veranstaltungen in den Themenbereichen Wohnen und Stadtentwicklung statt:

  • 9. Mai: Tag des offenen Wohnprojektes in Frankfurt am Main – 16 gemeinschaftliche Wohnprojekte öffnen ihre Türen.
  • 9. Mai: Tag der Städtebauförderung – Unter dem Motto „Lebendige Orte, starke Gemeinschaften“ zeigen zahlreiche Städte und Gemeinden, wie Städtebauförderung konkret vor Ort wirkt.
  • 29.-30. Mai: Sicher Wohnen in Berlin – Wohnungs- und mietenpolitische Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus Berlin.
  • 12.-14. Juni: Recht-auf-Stadt-Forum in Offenbach – Das bundesweite Forum, das sich Vernetzungen rund um die Forderung nach gerechteren Städten widmet, findet dieses Jahr in Offenbach statt. 

Nächstes Treffen der AG Junge Genossenschaften in München

Zum Vormerken: Die AG Junge Genossenschaften im wohnbund trifft sich diesen Herbst in München.

Am Freitag 13. und Samstag 14. November 2026 werden wir verschiedene spannende Projekte besuchen und aktuelle Themen besprechen. Ein genaueres Programm wird noch kommuniziert.

Interessierte, die noch nicht Mitglied in der AG sind, können sich gerne per E-Mail an info@wohnbund.de anmelden.

Neues in Print, Web und Museen

Wir präsentieren einige Hinweise auf neues Lesens- und Sehenswertes:

  • Wohnprojekteportal im neuen Design: Das Wohnprojekteportal der Stiftung trias kommt im neuen Design daher. Über das Portal lassen sich Wohnprojekte und fachliche Berater:innen in verschiedenen Bereichen (Bau, Recht, Soziales) finden. 
  • Planung neu denken / rethinking planning, Ausgabe 1/2026: In der neuen Ausgabe der „PND“ werden in verschiedenen Beiträgen Ziele, Reichweiten und Grenzen wohnungspolitischer Instrumente betrachtet. Unter den Texten finden sich sowohl praxisnahe Erfahrungsberichten als auch konzeptionellere Perspektiven.
  • Wohnprojekte-Architektur in der Sendung mit der Maus! Ein innovativer Genossenschaftsneubau mit flexiblen Grundrissen kindergerecht, aber auch für Erwachsene spannend erklärt – das gibt’s in einem neuen Video von der Sendung mit der Maus.
  • BBSR-Studie zur Eigenkapitalausstattung öffentlicher Wohnungsunternehmen: Kommunale und landeseigene Wohnungsunternehmen gelten – trotz teilweise breiter Kritik an manchen Geschäftspraktiken – vielerorts als wichtige langfristige Bestandshalter und Anbieter von bezahlbarem Wohnraum. Deren eigene wirtschaftliche Verhältnisse werden jedoch eher selten eingehend betrachtet. Eine vom BBSR beauftragte Studie widmet sich nun einem Aspekt davon, der Frage nach der Eigenkapitalausstattung dieser Unternehmen.
  • Verschiedenes zum Traum und Problem Eigenheim: Das Einfamilienhaus hat – als Ort von Flächenverschwendung und traditionellen Familienmustern – in Kreisen von auf Gemeinschaftlichkeit und Ökologie bedachten Wohnungs- und Stadtexpert:innen sicher keinen guten Ruf. Eine neue Website aus Baden-Württemberg versammelt nun Ideen dazu wie Eigenheime „weiterentwickelt und neu gedacht“ werden können, auch für gemeinschaftlichere Nutzungen. Beispiele  von Aufstockung, Anbau, energetischer Sanierung oder neuer Raumaufteilung zeigen wie „mehr Leben im Eigenheim“ möglich ist.
    Passend dazu wirft die aktuelle Ausstellung „Suburbia: Träume vom Eigenheim – Wege aus der Wohnungskrise“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main Blicke in Vergangenheit und Zukunft. Sie erkundet die (Bild-) Welten der Nachkriegs-Vorstadt in den USA und der Bundesrepublik und fragt, ob „im Einfamilienhaus eine Lösung der Wohnungskrise schlummert“? Der Nachkriegsgeschichte des Einfamilienhauses und seiner Repräsentationen widmet sich auch das neue Buch „Das große Ziel: Ein kleines Haus“ von Jan Engelke, das im jovis-Verlag erschienen ist.

Save the date: Zusammen-Leben-Festival 19.-20. Juni 2026 in Stuttgart

Der wohnbund ist Mitveranstalter des Zusammen-Leben-Festival, das im Juni 2026 in Stuttgart stattfinden wird! Das Festival will gemeinschaftliches Wohnen feiern und fördern – als Impuls für sozialen Zusammenhalt, lebendige Nachbarschaften und eine solidarische Zukunft. Verschiedene überregionale Akteur:innen bringen hier ihre Mitglieder, Netzwerke und Expertise zusammen.

Petition: Investitionszuschüsse zur Neuen Wohngemeinnützigkeit

Der wohnbund unterstützt die von der Dicke-Osmers-Stiftung initiierte Petition „Ergänzung der Neuen Wohngemeinnützigkeit mit einem Investitionszuschuss“ an den Bundestag. Die Petition kann hier mitgezeichnet werden.

Dass die neue Wohngemeinnützigkeit nur mit Investitionszuschüssen eine echte Wirkung entfalten wird, hat der wohnbund selbst bereits vor Längerem in einer gemeinsamen Stellungnahme mit Partnerorganisationen angemerkt. Leider fallen Feiertage und Jahreswechsel in die Mitzeichnungsfrist der Petition. Die Initiator:innen sind deshalb dankbar für jegliche Verbreitung und Weiterleitung!

Rückblick auf die wohnbund-Fachtagung 2025 in Chemnitz

Wachstum und Schrumpfung, Zuwanderung und Abwanderung: Die Disparitäten liegen nah beieinander und sind eine große Herausforderung. Demographische und damit auch wohnungspolitische Veränderungen waren das Thema der wohnbund-Fachtagung 2025: Wer kommt, wer bleibt, wer geht? Und wie können genossenschaftliche Wohnprojekte und andere gemeinwohlorientierte Akteure dazu beitragen, ein Angebot zu schaffen, das diesen Veränderungen gerecht wird? Diesen Fragen wurde in vier Workshops sowie Plenumsformaten am Freitag nachgegangen. Am Samstag fand die jährliche Mitgliederversammlung des wohnbund e.V. statt.

Hier gibt es eine Dokumentation mit einem kurzen Tagungsbericht, einigen fotographischen Eindrücken und ausgewählten Präsentationen als PDF.