Archiv der Kategorie: Aktuelles

Lese- und Hörtipps sowie Veranstaltungen im Spätherbst

In den letzten Monaten ist in Themenbereichen, die für den wohnbund und seine Mitglieder von Interesse sind, viel Lesenswertes neu veröffentlicht worden. Wir haben eine Auswahl zusammengestellt, wobei Texte durch Online- und Hörangebote sowie einige aktuelle Veranstaltungen ergänzt werden.

  • Website „Gemeinwohl bauen praktisch“: Das neue Webportal der Montag Stiftung Urbane Räume stellt praxisorientierte Checklisten, Musterverträge und Hinweise für gemeinwohlorientierte Immobilienprojekten zur Verfügung.
  • Buch „Kommunen und Wohnprojekte“ (Volltext frei verfügbar / open access): Die Dissertation von Larisa Tsvetkova untersucht an den Beispielen Hamburg, Leipzig und Tübingen, wie Kommunalpolitik selbstorganisierte Wohnformen unterstützen kann.
  • Buch „Stadt Land Boden“ (Volltext frei verfügbar / open access): Der Sammelband untersucht bodenpolitische Themen in Stadt und Land und geht unter anderem der Frage nach, wie gemeinwohlorientierte Nutzungen von Wohnraum wie auch Agrarflächen verwirklicht werden können.
  • Buch „Sanfte Stadterneuerung Revisited“: Im Bereich des kommunalen Wohnungsbaus ist es Routine, dass von Deutschland aus auf Wien als nachahmenswertes Modell verwiesen wird. Doch auch beim Thema Stadterneuerung lohnt sich ein Blick auf den historischen Erfahrungsschatz der österreichischen Metropole. Was hierzulande meist mit „behutsam“ umschrieben wird, heißt dort „sanft“: Die Erneuerung im Bestand. Der neue Sammelband bietet Einblicke in die Wiener Praxis.
  • Buch und Ausstellung „Baustelle Transformation“: Diese neue Veröffentlichung im Jovis-Verlag wird ergänzt durch eine Ausstellung im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin – beide gehen der Frage nach, wie die sozial-ökologische Transformation in Stadt und Land gelingen kann.
  • Zeitschrift „Stattbau statt Abriss“ und „Gutes Wohnen für Alle“ (Volltext-PDFs verfügbar): Die Jubiläums-Doppelnummer der „Freihaus“. Stattbau Hamburg, ein wichtiges wohnbund-Mitglied, feiert dieses Jahr (zwei Jahre nach dem wohnbund selbst) sein 40-jähriges Jubiläum und blickt u.a. mit einer Doppelnummer seiner Zeitschrift „Freihaus“ zurück auf vier Jahrzehnte Wohnprojekte-Arbeit und voraus auf Antworten auf die aktuelle Wohnungskrise – wie sie von gemeinwohlorientierten Bauherr:innen bereits praktisch gegeben werden. Die Freihaus-Nummern 29 und 30 erscheinen gedruckt als „umdrehbares“ Doppelheft und können einzeln als PDFs heruntergeladen werden.
  • Zeitschrift „Alle reden über Chemnitz“ – ein „Bauwelt“-Heft: Passend zur wohnbund-Tagung in Chemnitz widmet sich auch die „Bauwelt“ der diesjährigen Europäischen Kulturhauptstadt.
  • Zeitschrift „Bezahlbares Wohnen im Spannungsfeld der Nachhaltigkeit“ – neue Ausgabe der „Planerin“: Das Heft geht in Zahlreichen Beiträgen aktuellen Herausforderungen an den bezahlbaren Wohnungsbau nach.
  • Zeitschrift „Planungskulturen des Umbauens“ – neue Ausgabe von „planung neu denken“ (pnd) (Volltext-PDFs verfügbar): Umbauen statt neu bauen ist in aller Munde. Im zweiten Heft einer Doppelnummer der „pnd“ beleuchten Forscher:innen und Praktiker:innen, wie das Um- und Weiterbauen angestoßen werden kann.
  • Broschüre „Dachstrukturen für gemeinschaftliche Wohnprojekte, sorgende Gemeinschaften und soziale Träger“ (Volltext-PDF verfügbar): Als spannende Ergänzung zur letzten Nummer der wohnbund-Informationen zum Thema Dachgenossenschaften weitet diese Veröffentlichung des Forums Gemeinschaftliches Wohnen den Blick auf Strukturen auch jenseits des Wohnprojekte-Sektors.
  • Broschüre „Gemeinschaftliches Wohnen zur Miete“ (Volltext-PDF verfügbar): Die neue Veröffentlichung der Stiftung trias bietet umfassende Informationen dazu, wie Wohnprojekte in Kooperation mit institutionellen Anbietern wie kommunalen Wohnungsgesellschaften gelingen.
  • Studie zur „15-Minuten Stadt“ (Volltext-PDF verfügbar): Eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) verantwortete Studie zeigt, dass das Ziel, gemäß dem alltägliche Nutzungen in maximal 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein sollen, in Deutschland vielerorts bereits Realität ist.
  • Broschüre „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (Volltext-PDF verfügbar): Die neue Veröffentlichung bietet Einblick in Ergebnisse des ebenfalls vom BBSR umgesetzten Programmes zur Stärkung von Funktionsvielfalt und Nutzungsmischung in Innenstädten.
  • Studie zu Kooperationsmodellen für die Transformation von Innenstädten (Volltext-PDF verfügbar): Zum selben Themenbereich hat das Netzwerk „Gemeinsam für das Quartier“ eine Studie veröffentlicht, die entsprechende Kooperationen zwischen öffentlichen, zivilgesellschaftlichen und kreativwirtschaftlichen Akteur:innen untersucht.
  • Studie „Überforderte Quartiere“ (Volltext-PDF verfügbar): Die vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen beauftragte Studie nimmt ein Thema wieder auf, das der Verband bereits vor 25 Jahren (damals unter dem Titel „Überforderte Nachbarschaften“) thematisiert hatte – und kommt zum Schluss, dass zahlreiche sozioökonomische Indikatoren sich in der Zwischenzeit eher noch verschärft haben.
  • Podcast „Wohnprojekte im Gespräch“: Podcaster Tom Voss besucht Wohnprojekt-Bewohner:innen und -Fachleute in Norddeutschland und befragt sie zu allem, was man über die Entwicklung und den Alltag von Wohnprojekten wissen sollte; in einer Episode steht ein Gespräch mit Katrin Brandt, Geschäftsführerin von Stattbau Hamburg und wohnbund-Vorstandsmitglied im Mittelpunkt.
  • Tagung „Die Mitte gemeinsam denken – neue Partnerschaften, neue Wege“ (direkter Link zum Programm als PDF): Jahrestagung der Vereinigung für Stadt- Regional- und Landesplanung (SRL), 13./14. November, Oberhausen.
  • Online-Veranstaltung „Was passiert auf unserer Baustelle? Soziale Standards im Bau“: Das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen geht zusammen mit dem PECO-Institut für nachhaltige Entwicklung einem brisanten Thema nach: Ausbeutung von Beschäftigten und Verstöße gegen das Arbeitsrecht sind auf deutschen Baustellen immer wieder anzutreffen. Mit dieser Problematik sind auch gemeinschaftliche Wohnprojekte konfrontiert. 26. November, online.
  • Online-Veranstaltung „Aktivierende Kleinstadtentwicklung“ (direkter Link zum Programm als PDF): Eine neue Veranstaltung in der Reihe „Generationenfrage Gemeinwohl“ des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung. 26. November, online.

wohnbund-Fachtagung 2025: Programm und Anmeldung

„Wohnungsfragen im gesellschaftlichen Umbruch“: Fachtagung am Freitag, 21. November und wohnbund-Mitgliederversammlung am Samstag, 22. November in Chemnitz

Veranstaltungsort: Stadtwirtschaft, Jakobstr. 46, 09130 Chemnitz

Die Anmeldefrist ist abgelaufen.

Wachstum und Schrumpfung, Zuwanderung und Abwanderung: Die Disparitäten liegen nah beieinander und sind eine große Herausforderung. Demographische und damit auch wohnungspolitische Veränderungen sind das Thema unserer diesjährigen wohnbund-Fachtagung. Wer kommt, wer bleibt, wer geht? Und wie können genossenschaftliche Wohnprojekte und andere gemeinwohlorientierte Akteure dazu beitragen, ein Angebot zu schaffen, das diesen Veränderungen gerecht wird? Diesen Fragen will der wohnbund auf seiner diesjährigen Fachtagung in vier Workshops sowie Plenumsformaten nachgehen (detailliertes Programm siehe unten).

Das Jahr 2025 bietet dazu zwei Orientierungspunkte: Es wurde zum einen von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt. Unter dem Motto „Genossenschaften schaffen eine bessere Welt“ (cooperatives build a better world) soll die Bedeutung von Genossenschaften für eine weltweite nachhaltige Entwicklung gewürdigt werden. Mit dem Know-how-Austausch unter Praktiker:innen des genossenschaftlichen Wohnens leistet auch die wohnbund-Fachtagung einen Beitrag dazu. Zum anderen ist dieses Jahr Chemnitz europäische Kulturhauptstadt. Ein Grund für einen neugierigen Blick auf und Besuch in dieser Stadt, in deren Entwicklung sich viele Aspekte aktueller gesellschaftlicher Umbrüche noch deutlicher als in wohlhabenderen und größeren Städten widerspiegeln: Hier gibt es sowohl Plattenbau-Quartiere mit starker Überalterung als auch zentrale Stadtteile, deren Bevölkerungszusammensetzung sich durch die transnationalen Migrationsbewegungen der letzten Jahre in kurzer Zeit merklich verändert haben. Die Gefährdung von gesellschaftlicher Vielfalt und Demokratie durch rechtsradikale Bestrebungen ist hier ebenfalls akuter als anderswo. Dies wiederum stellt eine Herausforderung für die Bleibeperspektiven gerade der bildungsorientierten jüngeren Bevölkerungsgruppen dar, die Chemnitz mit zahlreichen kleineren Orten, gerade in Ostdeutschland, teilt. Trotzdem ist hier in jüngerer Zeit auch eine lebendige Szene von Wohnprojekten und Kulturorten entstanden. Auch unser Veranstaltungsort, das ehemalige Betriebsgelände der Stadtwirtschaft, ist ein spannendes Beispiel für eine gelungene Transformation.

Programm:

Freitag, 21. November

11:00-12:00 Begrüßung, Einführung

Begrüßung und Einführung ins Tagesprogramm

Einführungsvortrag: „Demografischer Wandel – Herausforderungen einer sich ändernden Gesellschaft“, Florian Breitinger, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

12:00-13:30 Workshop-Phase I

Workshop 1: Demographie und Wohnungsversorgung: Wer kommt, wer geht, wer bleibt?

Mit Inputs von: Florian Breitinger, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung; Roman Grabolle, Dezentrale – Netz für gemeinschaftliches Wohnen in Sachsen
Moderation: Tobias Bernet (Geschäftsführer wohnbund)

Workshop 2: Stadtentwicklungspolitik in „kleinen Großstädten“

Mit Inputs von: Katharina Simon, Urban Catalyst / Bergische Universität Wuppertal; Lydia Tannenhauer-Schnabl, Stadt Chemnitz; Andreas Thiele, Landeshauptstadt Schwerin
Moderation: Constance Cremer und Klaus Habermann-Nieße (Vorstand wohnbund)

13:30-14:30 Mittagessen

14:30-16:00 Workshop-Phase II

Workshop 3: Demographie und Wohnungsversorgung II: Wie können Wohnungsunternehmen mit überalternden Beständen umgehen?

Mit Inputs von: Alexander Müller, VdW Sachsen; Romy Reimer, Forum Gemeinschaftliches Wohnen; Laura Doyé, Architects4Future Cottbus
Moderation: Birgit Schmidt (wohnbund-Beratung Dessau)

Workshop 4: Strategien gegen rechte Raumnahme in Stadt und Land

Mit Inputs von: Afra Höck, AK Rechtsextremismus und Raumnahme / Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V.; Steven Seiffert, Kulturbüro Sachsen e.V.; Marivi Bauer, Stadtverwicklung gGmbH Weimar
Moderation: Heike Skok und Renate Berg (Vorstand wohnbund)

16:00-16:30 Kaffeepause

16:30 Zusammenfassung, Abschluss, Ausklang

Zusammenfassung der Workshops im Fishbowl-Format
Moderation: Constance Cremer (Vorstand wohnbund)

Samstag, 22. November

10:00-12:00 Mitgliederversammlung wohnbund e.V.,
anschließend Stadtrundgang:
„Kulturhauptstadt für wen?“ mit Dominik Intelmann, Stadtforscher (Chemnitz / Leipzig)

Veranstaltungstipps im Herbst

Im Herbst gibt es außer der wohnbund-Tagung deutschlandweit zahlreiche weitere spannende Veranstaltungen in den Themenbereichen gemeinschaftliches Wohnen, Genossenschaftswesen und nachhaltige Stadtentwicklung. (Genauere Informationen und Anmeldemöglichkeiten sind jeweils über die Veranstaltungstitel verlinkt.)

5.-7. September, Görlitz: Überland-Festival – das Festival von und für Gemeinwohl-Akteur:innen der ländlichen Räume

6. September, Gelsenkirchen: Wohnprojektetag NRW – schon zum 22. Mal, veranstaltet von der WohnBund-Beratung NRW und der Stiftung trias.

10. September, Berlin: Alternativen zum Abriss – Wie können bedrohte Gebäude gerettet werden? – eine Veranstaltung der Hermann-Henselmann-Stiftung

11. September, mit Aktionen an zahlreichen Orten: Tag der wohnungslosen Menschen – koordiniert von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe

15.-17. September, Rostock: Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik – mit dem Leitthema „Sozial – Produktiv – Grün: Quartiere gut gemacht“

18. September, online: Auftakttreffen des Arbeitskreises „Dachgenossenschaften für ländliche Räume“ – initiiert vom Forum Gemeinschaftliches Wohnen und dem Bundesverein zur Förderung des Genossenschaftsgedankens

20. September, Frankfurt am Main: Infobörse gemeinschaftliches Wohnen – organisiert vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen

26.-27. September, Dortmund: Konferenz des Netzwerks Mieten & Wohnen – mit den Schwerpunkten „Was tun gegen Wohnungsnöte und soziale Spaltung?“ und „Förderung, Regulierung und Klimaschutz beim Wohnen“

26.-29. September, Osnabrück und 24.-26. Oktober, Göttingen: Workshop „Gemeinschaftlich wohnen – den nächsten Schritt gehen“ – organisiert von zusammen wohnen – gemeinschaftlich leben Beratungskollektiv im Norden

9. Oktober, Berlin: Verbandstag des vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. – zum Thema „Entscheidend is’ auf’m Platz – Kommunen im Spannungsfeld von Staatsreform, Lösungsorientierung und künftiger Handlungsfähigkeit“

17.-18. Oktober: Münchner Wohnprojekttage – die 15. Ausgabe

23. Oktober, Berlin: „Wie wirtschaften Genossenschaftlichen nachhaltig?“ – die Veranstaltung zum Internationalen Jahr der Genossenschaften des Zentralverbands deutscher Konsumgenossenschaften (ZdK) und des Bundesvereins zur Förderung des Genossenschaftsgedankens

8. November, Hamburg: Wohnprojektetag Hamburg – organisiert von Stattbau Hamburg

Save the date: wohnbund-Fachtagung 2025

Die diesjährige Fachtagung des wohnbund wird am Freitag 21. November in Chemnitz stattfinden und sich mit „Wohnungsfragen im gesellschaftlichen Umbruch“ befassen. Die diesjährige Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz bietet reichhaltiges Anschauungsmaterial bezüglich demographischer Umbrüche, sozialer Gegensätze im urbanen Raum und Lösungsansätzen für diese Herausforderungen.

Wie üblich wird am Samstag nach der Fachtagung auch die wohnbund-Mitgliederversammlung stattfinden.

Genauere Informationen zu Verastaltungsort, Programm und Anmeldemöglichkeiten folgen bald!

Genossenschaftsrechtliche Fortschritte, wohnungspolitisch vage Versprechen: Der wohnbund zum Koalitionsvertrag

Die wohnungs- und genossenschaftspolitischen Inhalte des Mitte April veröffentlichten Koalitionsvertrages der voraussichtlichen neuen Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD ergeben aus Sicht des wohnbund ein zwiespältiges Bild. Ein grundsätzliches Umdenken in Richtung einer am Gemeinwohl orientierten Boden- und Wohnungspolitik wie wir es vor der Bundestagswahl in einem gemeinsamen Positionspapier u.a. mit dem Netzwerk Immovielien und dem Forum Gemeinschaftliches Wohnen gefordert haben, bleibt aus.
Und zumindest aus Mieter:innen-Sicht kann deutliche Kritik an der weiterhin nicht ausreichenden Regulierung der Wohnkosten insbesondere in Ballungsgebieten formuliert werden (worauf etwa der Deutsche Mieterbund und der Berliner Mieterverein hingewiesen haben).
Immerhin wird die Einsetzung einer Expertengruppe in Aussicht gestellt, in der „Mieter- und Vermieterorganisationen die Harmonisierung von mietrechtlichen Vorschriften“ vorbereiten sollen. Als Verbund von Expert:innen und Praktiker:innen aus genossenschaftlichen Wohnprojekten, in denen die Überwindung des Mieter-Vermieter-Gegensatzes erfolgreich praktiziert wird, steht der wohnbund zur Mitwirkung in einem solchen Gremium bereit.

Erfreulich ist – wie der Zentralverband der deutschen Konsumgenossenschaften bereits analysiert hat –, dass die in der letzten Legislatur bis zu einem Gesetzesentwurf entwickelte, jedoch noch nicht verabschiedete Modernisierung des Genossenschaftsrechts fortgeführt werden soll. Dazu gehören insbesondere entscheidende Schritte für die Digitalisierung des genossenschaftlichen Alltags (Zulässigkeit von Textform neben Schriftform bei zahlreichen Abläufen etc.).
Der Vorschlag zur Einführung einer neuen Rechtsform „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“ mit einerseits unabänderlicher Vermögensbindung und andererseits „Teilhabe nach mitgliedschaftlicher Logik“ ist zu begrüßen. Diese Kombination entspricht grundsätzlich exakt der Bedürfnislage vieler gemeinwohlorientierter Wohnprojekte. Ob die neue Rechtsform eine praktikable Alternative zur eingetragenen Genossenschaft und weiteren Formen werden kann, wird von den konkreten Regelungen abhängen.

Eine begrüßenswerte Festlegung in wohnungspolitischer Hinsicht ist, dass das von der letzten Bundesregierung (wieder) eingerichtete Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) als eigenständiges Ressort erhalten bleibt.

Auch die erklärte Absicht, den Wohnungsbau aus den EU-Beihilfevorschriften auszunehmen, das genossenschaftliche Wohnen „weiter“ zu fördern und die in der letzten Legislatur eingeführte „Wohngemeinnützigkeit“ gemäß Abgabenordnung mit Investitionszuschüssen ergänzen, sind grundsätzlich erfreulich. Letzteres entspricht einer vom wohnbund und seinen Partnerorganisationen im Hinblick auf die Gemeinnützigkeitsregelung wiederholt erhobenen Forderung (vgl. unsere Stellungnahmen vom Juni 2023 und Oktober 2024).
Allerdings ist mit Blick auf den generellen Finanzierungsvorbehalt, dem der gesamte Koalitionsvertrag unterliegt, Skepsis hinsichtlich der Umsetzung dieser Maßnahmen angebracht.

Die Herausforderungen der Klimakrise für den Gebäudesektor werden im Koalitionsvertrag nicht mit der angemessenen Dringlichkeit benannt; leider finden sich hier undifferenzierte Schlagworte aus dem Wahlkampf wieder. Andere Formulierungen – und der Kontext des Infrastruktur-Sondervermögens – lassen jedoch hoffen, dass mit auskömmlicher Förderung für klimafreundliche Sanierungen und Neubauten gerechnet werden kann.

Die Ankündigungen zur Stärkung des kommunalen Vorkaufsrechts lesen sich auf den ersten Blick sehr positiv; allerdings lässt der Verweis auf „Ausstrahlungswirkung“ und „Schrottimmobilien“ befürchten, dass die seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Vorkaufsrecht in Milieuschutzgebieten von 2021 de facto geltende Beschränkung der Vorkaufsrechtsgründe auf bauliche Aspekte womöglich nicht behoben werden soll. Dies wäre mit minimalen Formulierungsänderungen im Baugesetzbuch möglich, für die verschiedene Landesregierungen auch schon mehrfach Anträge in den Bundesrat eingebracht haben.

Der Vorschlag „selbstnutzende Eigentümer […] von den Regelungen des Milieuschutzes“ auszunehmen, muss als rechtssystematisch und städtebaulich unsinnig bezeichnet werden. Da jede selbstgenutzte Wohnung durch den schlichten Akt der Vermietung seitens Eigentümer:in jederzeit wieder zu einer Mietwohnung werden kann, ist kaum vorstellbar, wie eine solche Bestimmung verfassungskonform und rechtssicher umgesetzt werden soll. Sie würde absurderweise dazu führen, dass konkrete bauliche Vorgaben des Milieuschutzes innerhalb eines Satzungsgebietes – und sogar innerhalb eines Gebäudes! – fallweise zur Anwendung kämen und fallweise nicht. Außerdem würde es eine gravierende Ungleichbehandlung der genossenschaftlichen Eigentumsform darstellen, wenn eine solche Begünstigung für „selbstnutzende Eigentümer“ nur von Individualeigentümer:innen in Anspruch genommen werden könnte.

Der wohnbund wird die Wohnungs- und Genossenschaftspolitik auf Bundesebene während der kommenden Jahre weiterhin kritisch begleiten und seine Expertise in die entsprechenden Debatten einbringen.

Aktuelle Termine aus dem wohnbund-Umfeld

In den nächsten Wochen und Monaten finden wieder zahlreiche empfehlenswerte Veranstaltungen in den Themenfeldern des wohnbund statt; manche davon auch mit Beteiligung von wohnbund-Vertreter:innen.

Treffen der AG Junge Genossenschaften in Chemnitz

Auch die AG Junge Genossenschaften im wohnbund hat das Kulturhauptstadt-Jahr zum Anlass genommen, Chemnitz zu besuchen. Am 12. April war die AG zu Gast im Mietshäuser-Syndikats-Projekt „Kompott“. Neben einem AG-Treffen, das wie üblich dem Austausch zu aktuellen Herausforderungen für unsere Genossenschaften gewidmet war, hatten die AG-Mitglieder Gelegenheit zum Austausch mit der neu gegründeten Gemeingut Chemnitz eG, zur Besichtigung der Gebäude des „Kompott“ und zu einem Stadtspaziergang, u.a. zu verschiedenen Wohnprojekten im Bereich des Brühl, mit Roman Grabolle von der Beratungsstelle „Kooperatives Wohnen Chemnitz“.

Das nächste Treffen der AG Junge Genossenschaften wird am 18. Oktober im Projekt Villa Locomuna in Kassel stattfinden. Interessierte, die noch nicht Mitglied der AG sind, können sich gerne per E-Mail an info@wohnbund.de anmelden.

Videodokumentation und Präsentationen zur Fachtagung „Genossenschaften && Digitalisierung“

Die gemeinsame Fachtagung des wohnbund und des Bundesvereins zur Förderung des Genossenschaftsgedankens im November 2024 wurde auf Video dokumentiert – das Resultat stellen wir hier zur Verfügung:

Außerdem können die Präsentationen mehrerer Workshops im PDF-Format heruntergeladen werden: Workshop 2 – Workshop 3 – Workshop 4

BDA-Bayern-Preis für Wogeno-Projekt UTE

Das Neubauprojekt UTE (83 Wohnungen) der wohnbund-Mitgliedsgenossenschaft Wogeno München hat einen der diesjährigen Preise des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten Bayern erhalten. Die Jury sah hier „ein modellhaftes Stück Stadtentwicklung, das aus der Genossenschaft eine Keimzelle der neuen Nachbarschaft macht“, wie sie in ihrer Beurteilung schreibt. Wir gratulieren herzlich!